Tagfalter

Abundanzentwicklung Einzelarten

Entwicklung der Bestände von Erynnis tages in den NSG „Iberg“ und „Räuschenberg“. Während am Iberg keine wesentlichen Änderungen erkennbar werden, nehmen die Bestände am Räuschenberg in den 90er Jahren stark ab. Seit dieser Zeit werden umfangreiche Entbuschungsmaßnahmen durchgeführt und die Beweidung wurde wieder aufgenommen.

Entwicklung der Abundanz (Individuen / 200 m Transektlänge) ausgewählter Tagfalterarten im Sauerland (Märkischer Kreis) im Zeitraum 1989 – 2008 (aus Brunzel & Brandl, in prep.).

Exemplarisch ist die Bestandsentwicklung von 14 Tagfalterarten in den letzten 20 Jahren im Märkischen Kreis dargestellt. Insgesamt 9 Arten werden deutlich häufiger (z. B. Brenthis ino, Lycaena tityrus), bei einigen sind keine deutlichen Trends zu erkennen. Nur bei 2 Arten geht die Abundanz zurück – Boloria aquilonaris und Polyommatus semiargus.

Legt man einen längeren Betrachtungshorizont von 110 Jahren mit Momentaufnahmen der Tagfaltergemeinschaften zugrunde, so zeigt sich, dass 8 Arten verschwunden (z. B. Lycaena hippothoe, L. virgaureae) und 6 neu eingewandert sind (z. B. Satyrium pruni, Lasiommata megera).

Im Weserbergland lassen sich die Bestandsveränderungen bei einzelnen Arten überwiegend mit Änderungen im Lebensraum in Einklang bringen (Verbuschungsgrad, Nutzung) – Effekte des Klimawandels sind aufgrund der heterogeneren Datenlage bislang nicht nachzuweisen.

Entwicklung Gesamtartenzahl

Entwicklung der nachgewiesenen Tagfalterarten im Sauerland (Märkischer Kreis) im Zeitraum 1989 – 2008.

Seit 1989 hat sich die Zahl der im UG Sauerland nachgewiesenen Tagfalterarten von 31 kontinuierlich auf max. 40 (2006) erhöht (Brunzel et al. 2008).

Zu den Arten, die in jüngeren Jahren vermehrt auftreten zählen Postillon (Colias crocea), Senfweißling (Leptidea sinapis/reali), Kleiner Perlmutterfalter (Issoria lathonia) und Schachbrett (Melanargia galathea) u.a.. Hierbei handelt es sich überwiegend um wärmeliebende Arten, die eher als Generalisten einzustufen sind und als recht ausbreitungsfreudig gelten.


Fallbeispiele Gesamtverbreitung

Die klimabedingt unterschiedlichen Entwicklungen lassen sich besonders gut an der Verbreitung des wärmeliebenden Blutbärs (Tyria jacobeae) und des Kaltzeitrelikts Hochmoor-Perlmutterfalter (Boloria aquilonaris) illustrieren. Der Blutbär konnte überhaupt erst in den 90er Jahren das UG erreichen und hat sich mittlerweile auch in die höchsten Lagen des Ebbegebirge ausgebreitet. Von ehemals 12 Populationen des Perlmutterfalters ist innerhalb von 30 Jahren nur noch ein einziges Vorkommen übrig geblieben.

Besiedlung des Ebbegebirges (Märkischer Kreis) durch den wärmeliebenden Blutbär (Tyria jacobeae) im Zeitraum 1989 – 2002 (aus Brunzel et al. 2004).

Verbreitungskarte von Polyommatus coridon im Kreis Höxter und angrenzenden Gebieten.

Rückgang des Hochmoor-Perlmutterfalters (Boloria aquilonaris) im Ebbegebirge (Märkischer Kreis) im Zeitraum 1970 – 2006 (aus Brunzel et al. 2008). Angegeben ist jeweils das Jahr des Aussterbens der einzelnen Lokalpopulationen.


Auch im Weserbergland ist die Besiedlungsgeschichte der Tagfalter und Widderchen in den letzten 100 Jahren weitgehend rekonstruiert und in Rasterverbreitungskarten aufgearbeitet. Demnach zeigen einige Falter in den letzen Jahren deutliche Ausbreitungstendenzen, die vermutlich auf klimatische Ursachen zurückzuführen sind. Neben Zygaena carniolica, Melitaea aurelia und Aricia agestis, deren Ausbreitung im Bezugsraum bereits von Biermann (2000) und Fartmann et al. (2002) dokumentiert wurden, handelt es sich um Arten wie Issoria lathonia, Colias crocea (beides Wanderfalter) und Papilio machaon. Bei der letztgenannten Art dürfte die Rückkehr neben klimatischen Ursachen auch auf den reduzierten Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zurückzuführen sein.

Zusammenhänge Klima + Zielarten

Insgesamt 4 Zielarten im Sinne des Projektantrags werden detailliert analysiert. Exemplarisch sind für die Zielarten im MK Boloria aquilonaris + Brenthis ino bereits statistische Analysen mit der Klimaentwicklung erfolgt:

  • Brenthis ino – positiver Zusammenhang mit der Sommertemperatur
  • Boloria aquilonaris – negativer Zusammenhang mit der Sommertemperatur + Niederschlagssummen des Sommerhalbjahres

Auch für die Zielarten im Weserbergland – Polyommatus coridon + Maculinea rebeli, die beide ihre nördliche Verbreitungsgrenze im UG erreichen – liegen bereits umfangreiche Erhebungsdaten vor, folgende Tendenzen zeichnen sich ab:

  • Polyommatus coridon – scheint von den prognostizierten Klimaänderungen zu profitieren, kann dies aufgrund der engen Bindung an seine Raupenfutterpflanze aber nicht in Arealgewinne ummünzen.
  • Maculinea rebeli – der Falter reagiert auf die trocken-heißen Sommer offensichtlich positiv. Hingegen scheint die Raupenfutterpflanze Kreuz-Enzian benachteiligt zu werden. Dies legen Beobachtungen zur Phänologie und v.a. der dokumentierte Rückgang der Bestände in Südwest-Exposition nahe.

Verbreitung von M. rebeli in Deutschland. Die insgesamt sehr seltene Art erreicht im Weserbergland ihre nördliche Verbreitungsgrenze (aus Siewers 2009).

Entwicklung der Kreuzenzian-Bestände (Gentiana cruciata) und des Kreuzenzian-Ameisenbläulings (Maculinea rebeli) im Bereich der Kalktriften bei Willebadessen (südwest-exponiert, oben) und am Schmandberg bei Ottbergen (nordexponiert, unten) (aus Siewers 2009).

Entwicklungen der Bestände von P. coridon im Bereich der Kalktriften bei Willebadessen in den Jahren von 2003 bis 2005 (Daten von Biermann). Der trocken-heiße Sommer des Jahres 2003 hat sich ganz offensichtlich positiv auf den Falter ausgewirkt.



Klimawandel und Naturschutz
Online: http://www.klimawandel-projekte.de/ergebnisse/monitoring/tagfalter/index.php [Datum: 13.08.2020]
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